Die beiden wichtigsten Stellschrauben für sauberes Fräsbild, Standzeit und Prozesssicherheit sind Drehzahl und Vorschub.
Wer diese beiden Größen versteht und sinnvoll einstellt, bekommt:
bessere Oberflächen
weniger Werkzeugbruch
längere Standzeiten
weniger Ausrisse
reproduzierbare Ergebnisse
In diesem Artikel schauen wir uns die Grundlagen, einfache Rechenwege und praxisnahe Richtwerte für Holz und Aluminium an.
Bevor man Werte einstellt, muss klar sein, wovon man spricht.
Drehzahl n
Umdrehungen der Spindel pro Minute
n [min−1]
Vorschub vf
Wie schnell sich das Werkzeug relativ zum Werkstück bewegt
vf [mm/min]
Zahnvorschub fz
Wie viel Material ein einzelner Zahn pro Umdrehung „abnimmt“
fz [mm/Zahn]
Zahnzahl z
Anzahl der Schneiden am Fräser (z. B. 1‑Zahn, 2‑Zahn, 3‑Zahn)
Diese Größen hängen direkt zusammen.
Die zentrale Formel lautet:
vf=n⋅z⋅fz
vf = Vorschubgeschwindigkeit in mm/min
n = Drehzahl in min−1
z = Anzahl der Schneiden
fz = Zahnvorschub in mm/Zahn
Du kannst also:
aus Drehzahl und Zahnvorschub den Vorschub berechnen
oder aus Vorschub und Drehzahl den Zahnvorschub bestimmen
Beispiel:
Drehzahl n=18.000 min−1
2‑Zahn‑Fräser z=2
gewünschter Zahnvorschub fz=0,04 mm/Zahn
vf=18.000⋅2⋅0,04=1.440 mm/min
Das heißt:
Du solltest etwa 1.400–1.500 mm/min Vorschub fahren.
Die Drehzahl hängt ab von:
Material (Holz, Aluminium, Kunststoff, Verbundstoffe)
Werkzeugdurchmesser
Werkzeugqualität
Maschinensystem (Steifigkeit, Spindel, Lagerung)
Kleine Durchmesser → eher hohe Drehzahl
Große Durchmesser → eher niedrigere Drehzahl
Harte Materialien → eher moderat, nicht extrem hoch
Weiche Materialien → eher höher, aber mit Blick auf Wärme
Für typische Schaftfräser (z. B. 3–6 mm):
Weichholz (Fichte, Kiefer, etc.):
18.000–24.000 min−1
Hartholz (Buche, Eiche, etc.):
16.000–22.000 min−1
Wichtiger als der exakte Wert ist:
Fräser darf nicht „verbrennen“ und nicht „rupfen“.
Aluminium reagiert stark auf Wärme und Späneabfuhr.
Für 1‑Zahn‑ oder 2‑Zahn‑Fräser (3–6 mm):
Drehzahl:
ca. 12.000–18.000 min−1
Zu hohe Drehzahl + zu wenig Vorschub → Reibung statt Schnitt → Aufbauschneiden, Schmieren, Werkzeugbruch.
Der Vorschub muss zum Werkzeug und Material passen.
Zu langsam ist genauso schlecht wie zu schnell.
Werkzeug „reibt“ mehr, als es schneidet
Hitze steigt
Holz verbrennt, Aluminium schmiert
Standzeit sinkt
Oberfläche wird schlecht
Maschine kommt mechanisch an Grenzen
Schrittverluste bei Schrittmotoren
Rattern, Vibrationen
Maßhaltigkeit leidet
Werkzeugbruch möglich
Der Zahnvorschub fz ist der Wert, an dem man sich gut orientieren kann.
Er sagt: Wie viel Material „packt“ ein Zahn pro Umdrehung?
Feine Oberflächen, kleine Fräser:
fz≈0,02–0,05 mm/Zahn
Mehr Abtrag, robustere Bearbeitung:
fz≈0,05–0,10 mm/Zahn
1‑Zahn‑Fräser:
fz≈0,02–0,06 mm/Zahn
2‑Zahn‑Fräser:
eher im unteren Bereich bleiben, z. B. 0,02–0,04 mm/Zahn
Wichtig:
Lieber mit einem konservativen Wert starten und dann schrittweise erhöhen.
Material: Fichte
Fräser: 6 mm, 2‑Zahn
Drehzahl: n=20.000 min−1
Zahnvorschub: fz=0,05 mm/Zahn
vf=20.000⋅2⋅0,05=2.000 mm/min
Startwert: ca. 2.000 mm/min
Dann nach Gefühl und Maschinesteifigkeit leicht erhöhen oder reduzieren.
Material: Buche
Fräser: 3 mm, 2‑Zahn
Drehzahl: n=22.000 min−1
Zahnvorschub: fz=0,03 mm/Zahn
vf=22.000⋅2⋅0,03=1.320 mm/min
Startwert: ca. 1.300 mm/min
Material: Alu (z. B. EN AW‑6082)
Fräser: 4 mm, 1‑Zahn
Drehzahl: n=16.000 min−1
Zahnvorschub: fz=0,03 mm/Zahn
vf=16.000⋅1⋅0,03=480 mm/min
Startwert: ca. 450–500 mm/min
Dann prüfen:
Späne: kurz, klar, nicht geschmolzen
Geräusch: gleichmäßig, kein Kreischen
Oberfläche: sauber, ohne starke Riefen
Hier ist Vorsicht angesagt, weil 2‑Zahn in Alu schnell zu viel Spanvolumen erzeugt.
Drehzahl: n=14.000 min−1
Zahnvorschub: fz=0,02 mm/Zahn
vf=14.000⋅2⋅0,02=560 mm/min
Startwert: ca. 500–600 mm/min
Bei Problemen lieber auf 1‑Zahn‑Fräser wechseln.
Vorschub und Drehzahl sind nur ein Teil des Ganzen.
Genauso wichtig sind:
axiale Zustellung (in Z‑Richtung, Tiefe pro Schnitt)
radiale Zustellung (seitlicher Eingriff, wie viel Breite der Fräser schneidet)
Bei 6 mm Fräser:
seitlich z. B. 50–100 % Durchmesser
in Z z. B. 2–6 mm pro Zustellung (je nach Maschine)
Seitlicher Eingriff eher kleiner:
z. B. 10–40 % des Durchmessers
Zustelltiefe in Z moderat:
z. B. 0,5–2 mm pro Schnitt (je nach Maschine und Fräser)
Symptome:
dunkle Kanten
Brandspuren
Harzablagerungen am Fräser
Ursachen:
zu hohe Drehzahl
zu wenig Vorschub
stumpfer Fräser
Lösungen:
Drehzahl reduzieren
Vorschub erhöhen
Fräser reinigen oder wechseln
Symptome:
Späne kleben an der Schneide
Oberfläche wird matt und ungleichmäßig
Werkzeug „quietscht“ oder „singt“
Ursachen:
zu hohe Drehzahl
zu geringer Vorschub
schlechte Späneabfuhr
falscher Fräser (zu viele Zähne)
Lösungen:
Drehzahl reduzieren
Vorschub leicht erhöhen
1‑Zahn‑Fräser verwenden
ggf. Minimalmengenschmierung oder Luft
Symptome:
sichtbare Wellen in der Oberfläche
hörbares „Rattern“
Maschine vibriert
Ursachen:
zu hoher Vorschub für die Maschinensteifigkeit
zu große Zustelltiefe
zu langer Werkzeugüberstand
zu hohe Drehzahl bei schwacher Maschine
Lösungen:
Vorschub reduzieren
Zustelltiefe verringern
Werkzeug kürzer einspannen
Drehzahl anpassen
Material und Fräser wählen
– Holz oder Aluminium?
– Durchmesser?
– 1‑, 2‑ oder 3‑Zahn?
Drehzahl grob festlegen
– Holz: eher höher
– Aluminium: eher moderat
Zahnvorschub wählen
– konservativer Startwert (z. B. 0,02–0,05 mm/Zahn)
Vorschub berechnen
– mit vf=n⋅z⋅fz
Testfräsung machen
– kurze Strecke
– Oberfläche prüfen
– Späne anschauen
– Geräusch beurteilen
Feinjustierung
– wenn verbrannt → Vorschub rauf oder Drehzahl runter
– wenn rattert → Vorschub runter oder Zustellung reduzieren
– wenn Späne schmieren → Drehzahl runter, Vorschub leicht rauf
Vorschub und Drehzahl sind keine „Geheimwissenschaft“, sondern logisch verknüpfte Größen.
Mit ein paar Grundformeln, realistischen Startwerten und etwas Erfahrung lässt sich:
die Qualität deutlich verbessern
die Standzeit der Werkzeuge erhöhen
die Maschine effizienter nutzen
das Risiko von Werkzeugbruch reduzieren
Wer systematisch vorgeht, dokumentiert und nicht nur „nach Gefühl dreht“, bekommt schnell reproduzierbare, saubere Ergebnisse – in Holz wie in Aluminium.
Wenn Holz verbrennt → Vorschub rauf oder Drehzahl runter
Wenn Aluminium schmiert → Drehzahl runter, Vorschub leicht rauf
Wenn es rattert → Vorschub runter oder Zustellung reduzieren
Wenn Späne zu fein sind → Vorschub erhöhen
Wenn Späne zu dick sind → Vorschub reduzieren